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Small Business Saturday

Mit Vintage ein Zeichen gegen Fast Fashion setzen

Die Themen Klimawandel und mehr Nachhaltigkeit im Alltag beschäftigen uns aktuell wieder mehr denn je. Die Kleiderindustrie ist einer der drei größten Umweltverschmutzer, was nicht nur an der Herstellung liegt, sondern auch daran, dass günstige Teile oft achtlos weggeschmissen werden – auch wenn sie nur wenige Male getragen wurden. Dem möchte die Wiener Vintage-Unternehmerin Ursula Wagner mit ihrem Label Fräulein Kleidsam etwas entgegensetzen.

Was ist der Unterschied zwischen Vintage und Second Hand?

Vintage ist ein sehr häufig verwendeter Begriff, besonders in der Modeszene. Das hat zur Folge, dass die Grenzen zwischen den Bedeutungen Vintage und Secondhand des öfteren verschwimmen. Das Wort Vintage hat seinen Ursprung im englischen Sprachgebrauch. Es bedeutet „erlesen" und wurde beim Prozess der Weinlese verwendet. Der älteste Wein war der Beste und Erlesenste und verdiente sich damit die Bezeichnung „vintage". In der Mode wird der Begriff auf Stücke älterer Kollektionen angewandt, wobei es sich nicht zwangsläufig um gebrauchte Mode handeln muss. Auch neue, ungenutzte Restbestände aus Lagern werden als Vintage bezeichnet, wenn sie in den letzten Jahrzehnten angefertigt wurden. Für manche spielt auch die Zeitspanne eine Rolle, sprich ein Stück muss mindestens zwanzig Jahre alt sein, bevor es das Prädikat Vintage tragen darf. Auf jeden Fall ist Vintage heute ein Begriff für trendige Einzelstücke früherer Jahrzehnte. Der Begriff Secondhand meint so viel wie benutzt, also aus zweiter Hand. Secondhand Mode ist also mindestens einmal getragen worden, während Vintage Mode ungetragen oder gebraucht sein kann. Ein Vintage Kleid kann daher secondhand sein, umgekehrt muss das aber nicht der Fall sein.

Warum ist Vintage bzw. Second Hand oft teurer als Fast Fashion?

Das hat nichts mit der Ware an sich zu tun, sondern liegt an den globalen Umständen, dem der Handel ausgesetzt ist. In den 1990er Jahren gab es noch keine Fast Fashion und der Handel war konkurrenzfähiger. Heute haben Billigmode-Ketten ihre Produktion in Dritte Welt Länder ausgelagert und die Kosten sind so niedrig, dass alles, was hierzulande und fair produziert wird, da nicht mithalten kann. So bestimmen beliebte, internationale Modeketten die Preise am Markt. Kleine Unternehmen - egal welcher Branche - können bei dieser Konkurrenz nicht mithalten. Das beginnt bei der Preisgestaltung und endet beim Service. Das wirkt sich natürlich auch auf die Secondhand-Ware aus, die ich verkaufe.

Wie wichtig ist dir als Unternehmerin das Thema Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil meines Tuns, egal ob im privaten oder beruflichen Umfeld. Ich habe selbst schon immer gerne Secondhand eingekauft. Gebrauchte Ware hat ihren Charme und ihre Patina ist oft ein gewünschter Effekt. Die Kleiderindustrie ist einer der drei größten Umweltverschmutzer und jeder von uns kann dagegen ankämpfen und seinen Beitrag leisten. Sei es Secondhand einzukaufen, seine Sachen zu pflegen und zu bewahren oder bewusst einzukaufen. Heute gibt es so viele Ressourcen, die genutzt werden können und in einer Gesellschaft des Überflusses sehe ich es als meinen Beitrag, das Bewusstsein der Konsumenten zu schärfen. Ich merke, dass sich das Einkaufsverhalten der jüngeren Generation schon ändert und sie bewusster einkaufen. Doch solange das Angebot an Billigwaren vorhanden ist, wird es schwierig, das Einkaufsverhalten der breiten Masse zu beeinflussen.

Passen wir generell alle zu wenig auf unsere Klamotten auf?

Ja, das denke ich schon. Es entspricht der Psychologie des Menschen Dinge, die keinen Wert mehr besitzen, auch so zu behandeln. Wenn ich auf etwas spare und es mir dann leisten kann, lerne ich den Wert eines Gegenstandes schätzen. Das ist ein grundlegender Unterschied zu einem Spontankauf, wie einem T Shirt um drei Euro. Hier gibt es ja nicht einmal einen Preisunterschied zu einem Coffe-to-go. Qualitativ können solche Billig-Produkte nicht mit Qualitätsware mithalten, selbst wenn der Konsument behutsam mit diesen Klamotten umgeht. Das liegt auch an der viel zu billig und schlecht produzierten Ware. Trotzdem kann jeder und jede von uns behutsamer mit seinen Teilen umgehen und nicht alles gleich entsorgen, sobald kleine Mängel auftreten. Mit der richtigen Pflege lebt jedes einzelne Kleidungsstück länger.